Standards sind toll, Standards sichern reibungslose Abläufe, Standards garantieren Zukunftssicherheit und Flexibilität. Und das natürlich auch im Webdesign.. Alles richtig, aber sind diese Punkte für Kunden überhaupt interessant? Gerade im KMU-Sektor musste ich bisher die Erfahrung machen, dass eine Argumentation mit Webstandards praktisch irrelevant ist. Hier zählen nach wie vor vor allem der Preis und dann die üblichen Verdächtigen “In Google ganz vorne” und natürlich ein “schönes” Design.
Wozu also die Mühe sich mit einem semantischen Seitenaufbau zu beschäftigen, Design und Inhalt klar zu trennen oder sich um Validität zu bemühen? Photoshop kann doch auch HTML exportieren… Wem sich gerade auch die Nackenhaare aufstellen, der wird wissen, wieso man als ernsthafter Webdesigner nicht anders kann, als seine Projekte ordentlich und nach bestem Wissen zu machen. Ich würde es fast als Berufsethos bezeichnen, oder schlicht den Drang auf seine geleistete Arbeit auch Stolz sein zu können.
Dass dieser Drang oft nach der dritten Verhandlungsrunde, in der man nochmal den Preis nach unten korrigieren musste, etwas leidet, kann ich allerdings auch verstehen. Eine durchdachte Informationsstruktur, zielkundenorientierte Gestaltung und standardkonforme Umsetzung beanspruchen nunmal ihre Zeit.
Für den ungeübten Kunden sind die Techniken und Grundsätze allerdings nicht ersichtlich. Und von aussen kann ein altbackenes Tabellenlayout nunmal genauso aussehen, wie ein modernes HTML5 Dokument. Hier zählt nur der letztendliche Nutzen, und nicht die Technik, mit der er erreicht wurde. Auf meiner Suche nach Leidensgenossen bin ich auf den Artikel von Michael van Laar gestoßen, der die These schon vor ein paar Jahren in den Raum gestellt, und die vermeintlich guten Argumente aus Kundensicht interpretiert hat.
Also streichen wir nun wieder alle Begriffe wie semantisches (X)HTML, CSS, Barrierefreiheit oder Validität aus dem Argumentationsheft. Eine bessere Herangehensweise ist die, aus Kundensicht zu argumentieren, wie Nils Pooker in seinem Artikel beschreibt. Auch wenn einem die tollen und nützlichen Begriffe auf der Zunge brennen, die einen von den “Hobbywebexportern” abheben, auf die meisten Kunden wirken zu viele Fachbegriffe höchstens distanzierend.
Ich gebe zu, auch mir wird das zunächst schwer fallen, denn auch ich will, dass meine Kunden wissen, dass ihre Seiten nach aktuellen Standards entwickelt werden. Aber ich denke, die Argumentation nach Kundenanforderungen haben tatsächlich mehr Überzeugungskraft und werden sicher in meinen nächsten Verhandlungen mit an Bord sein.
